Wir sind stets am Puls des Markts
Ein Blick auf die Märkte
Ronald Doeswijk, Chief Strategist Robeco
Wirtschaftlicher Ausblik
Erholung auf den Finanzmärkten
Im Juli wurden die Finanzmärkte entlastet, da die starke Refinanzierungswelle der hauptsächlich spanischen Staatsanleihen problemlos verlief. Und das obwohl die Hauptkäufer lokale Banken waren. Ferner waren mehrere der veröffentlichten gemischten Wirtschaftszahlen deutlich besser als erwartet. Dazu gehörten das Wachstum der britischen Wirtschaft sowie das hohe Unternehmervertrauen in den USA und Deutschland. Der im europäischen Bankensektor durchgeführte Stresstest erhöht zudem die Transparenz. Das gefällt auch den Anlegern. Aktienkurse stiegen in allen Regionen: Immobilien, Kredite und Rohstoffe profitierten von der günstigen Marktstimmung. Außerdem erholte sich der Euro weiter gegenüber dem US-Dollar. Wir denken, dass sich die Märkte seit dem Tiefstand im März 2009 und nach der enormen Erholung der Börsenkurse noch immer in einer Konsolidierungsphase befinden.
US-amerikanisches Wirtschaftswachstum wird moderat werden
Der beste Indikator für die Richtung der US-amerikanischen Wirtschaft sind die Zahlen des ISM Indexes zum Geschäftsklima. Diese fielen besser aus als von Analysten vorausgesagt worden war. Nachdem dieser Indikator für das Geschäftsklima im April seinen höchsten Stand in nahezu 25 Jahren erreicht hatte, sank er in den letzten drei Monaten. Das Vertrauen ist weiterhin sehr hoch und dieser Gradmesser sagt weiteres Wachstum voraus. Ein moderates Wachstum ist jedoch das wahrscheinlichste Szenario, da die Beschäftigungssituation auf dem Arbeitsmarkt in den letzten drei Monaten nunmehr enttäuschend war.
Wir prognostizieren eine überdurchschnittliche Rendite für Nordamerika, da der Pessimismus hinsichtlich der US-amerikanischen Wirtschaft zu weit gegangen ist und eine erneute Rezession unwahrscheinlich bleibt.
Positive Nachrichten in Europa
Der unter den europäischen Banken ausgeführte Stresstest hat uns ein besseres Verständnis davon gegeben, wie einzelne Banken mit Rückschlägen umgehen können. Obwohl man damit übereinstimmen könnte, dass die Testszenarien strikter hätten sein können, sind Anleger jetzt besser informiert. Kurz gesagt, stellt das einen positiven Faktor dar. Die Refinanzierung der Staatsverschuldung verlief ebenso reibungslos. Daraus kann man schließen, dass die Schuldenprobleme der Länder in der peripheren Eurozone kurzfristig verdrängt wurden, die Stimmung jedoch ausgesprochen volatil bleibt. Schließlich verbessert sich das Geschäftsklima in Europa und insbesondere Deutschlands Exporte steigen kräftig an.
Die Erholung des Euro ist den Anlegern auch zu gute gekommen. Der Investitionsausblick für Europa wird von zwei Umständen beeinflusst: Vermutlich werden die Wirtschaftszahlen in dieser Region ebenfalls schwächer ausfallen und das Schuldenproblem ist strukturell noch immer nicht gelöst.
Die japanische Wirtschaft hat ihren Höchststand erreicht
Das Wirtschaftswachstum in Japan wird etwas sinken. Darauf deuten zumindest das schwächere Exportwachstum und der Arbeitsmarkt hin. Zudem steigt die Deflation, was wiederum ein Schwanken langfristiger Zinsen um 1% zur Folge hat. Daraus lässt sich ableiten, dass Anleger nichts Spektakuläres von der Wirtschaft erwarten. Glücklicherweise sind die Verbraucherausgaben weiterhin halbwegs stabil. Das bewahrt uns vor einer negativen Sicht hinsichtlich der Aktienmarktperformance in Japan im Vergleich zu anderen Regionen.
Schwellenmärkte: hohes Wachstum, begrenztes Inflationsrisiko
Das Wirtschaftswachstum in China hat ebenfalls seinen Höchststand erreicht, was günstig ist, da das Inflationsrisiko demzufolge abgenommen hat. Ein drastischer Rückgang des Wachstums ist jedoch nicht zu erkennen. Andere Schwellenmärkte bestätigen das Bild des hohen Wirtschaftswachstums mit begrenztem Inflationsrisiko.
Wir können uns nicht vorstellen, dass die Schwellenmärkte, mit einer normalen Bewertung, und aufgrund des moderaten Rückgangs des globalen Wirtschaftswachstums, kurzfristig eine überdurchschnittliche Performance zeigen werden. Die langfristigen Aussichten bleiben gut, da die Vergreisung der Bevölkerung kaum eine Rolle spielt und die entsprechenden Länder nur wenig Schulden zu verzeichnen haben.
Anleihen: Lieber Kredite als Staatsanleihen
Renditen aus Staatsanleihen sind gering. Voraussichtlich wird das so bleiben, da die kurzfristigen Zinsen weiterhin niedrig sind und da bis 2012 wahrscheinlich mit geringem Inflationsrisiko zu rechnen ist. Kredite sind attraktiver als Staatsanleihen, da sie einen zusätzlichen Gewinn erwirtschaften. Moderates Wirtschaftswachstum wirkt sich positiv auf Kredite aus. Es hält nämlich das Ausfallrisiko gering.
Ronald Doeswijk
Chief Strategist Robeco
Das Investment Strategist Team von Robeco beobachtet täglich Entwicklungen auf den Finanzmärkten. Unsere Empfehlungen berücksichtigen nicht nur makroökonomische Zahlen wie die Inflationsrate, Zinssätze und Wirtschaftswachstum; sie werden auch von technischen Analysen und fundamentalen und quantitativen Aspekten, wie Bewertung und Ertragswachstum beeinflusst. Es handelt sich um Empfehlungen, die dazu beisteuern, eine optimale Ausschüttung der Aktien, Anleihen und Bargeld für jedes Investmentprofil zu erreichen. Schließlich bevorzugen wir Regionen und Sektoren innerhalb des Aktienportfolios.
Abgabetermin für diesen Text: 13. August 2010
Disclaimer
Die hier dargestellten Meinungen sind die der Autoren und beziehen sich nicht auf ein spezielles Produkt von Robeco. Die Markteinschätzungen sind ständigen Änderungen unterworfen.
