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WWENWTTW – Wir Wissen Einfach Nicht, Was Trump Tun Wird

WWENWTTW – Wir Wissen Einfach Nicht, Was Trump Tun Wird

09-12-2016 | Einblicke | Lukas Daalder, Victoria Mio Nach seinem Amtsantritt als US-Präsident wird sich Donald Trump mit vielen so bekannten Akronymen wie NAFTA und NATO auseinandersetzen müssen. Jetzt kommt ein neues, schwer auszusprechendes Akronym hinzu, das die Märkte eher beunruhigen wird: WWENWTTW.

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  • Manche vollmundigen Versprechen, die Donald Trump im Wahlkampf gegeben wurden, wird er als Präsident möglicherweise nicht halten können
  • Hinter sechs Bereichen steht nach wie vor ein großes Fragezeichen – von Einwanderern bis zur Infrastruktur
  • Für Anleihen gibt es nur begrenzt gute Nachrichten, und es wird von Details abhängen, wie es mit Aktien weitergeht
‚Wir Wissen Einfach Nicht, Was Trump Tun Wird’ – das dürfte im Vorfeld seiner Amtseinführung als 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten am 20. Januar die Hauptsorge der Anleger sein, meint Lukas Daalder, Chief Investment Officer of Robeco Investment Solutions.

Auf Trumps Überraschungssieg haben die Märkte zwiespältig reagiert: Aktien erholten sich nach anfänglichen Verlusten wieder und gaben Trump einen Vertrauensvorschuss, während die Anleihekurse wegen des Risikos einer Inflations- und Schuldenzunahme nachgaben, so Daalder. Was jetzt tatsächlich geschehen wird, ist für die weitere Entwicklung der Renditen entscheidend.

Weitreichende Versprechen

„Trump hat in den letzten 12 Monaten viele weitreichende Versprechen gegeben – von einer Überholung des Steuersystems bis zur Neuverhandlung von Handelsbeziehungen, von der Abschiebung von Millionen illegalen Einwanderern bis zu einer deutlichen Erhöhung der Infrastrukturinvestitionen”, sagt Daalder.

„Das Problem ist, dass Trump nach seinen lautstarken und unverblümten Äußerungen im Wahlkampf seit seinem Sieg ungewohnt still geworden ist. Er hat zwar einige seiner anfänglich gemachten Versprechen – wie die Nichtumsetzung des transpazifischen Handelsabkommens TPP und die stärksten Steuersenkungen seit Ronald Reagan – wiederholt, aber keine Einzelheiten dazu genannt. Im Grunde genommen können wir alle nur raten, wie sein Programm tatsächlich aussehen wird.”

Daalder nennt sechs Bereiche, in denen sich Trumps Wahlkampfrhetorik durchaus von der Realität unterscheiden könnte:
  • Steuern: Wird die geplante Senkung der Unternehmenssteuern von 35 % auf 15 % mit einer Abschaffung von Steuererleichterungen verbunden und damit möglicherweise neutralisiert?
  • Einwanderung: Wird Trump wie angekündigt 3 Millionen Einwanderer ohne gültige Papiere (wodurch das BIP verringert würde) oder nur 800 000 abschieben?
  • Infrastruktur: Werden neue Investitionen von der Regierung, von einer speziellen Infrastrukturbank oder durch steuerlich geförderte öffentlich-private Partnerschaften finanziert?
  • Handel: War alles nur Wahlkampfgetöse oder werden die USA China tatsächlich als Währungsmanipulator bezeichnen und möglicherweise einen Handelskrieg und diplomatische Auseinandersetzungen riskieren?
  • Defizite: Wird Trump der Reagan unserer Zeit werden und die Wirtschaft mit finanzpolitischen Maßnahmen ankurbeln, die zu einer Ausweitung der Defizite führen, oder wird er an anderer Stelle Ausgaben kürzen?
  • US-Notenbank: Werden die neuen, von Trump ernannten Mitglieder der Fed eine härtere Haltung zur Inflation haben als allgemein erwartet? Oder wird er sich für einen eher akkommodierenden Offenmarktausschuss entscheiden?
„Ausschlaggebend sind die Details – und die sind uns bisher nicht bekannt”, betont Daalder. „Wir Wissen Einfach Nicht, Was Trump Tun Wird. Oder um daraus das schlimmste Akronym aller Zeiten zu machen: WWENWTTW. Unter diesem Vorbehalt stehen momentan alle unsere Prognosen zur Konjunktur und zu den Finanzmärkten. Wir können lediglich grobe Schätzungen abgeben. Dabei ist aber zu betonen, dass vieles – wenn nicht sogar alles – davon abhängt, wie Trumps Pläne im Einzelnen aussehen. Und das werden wir wohl nicht so bald erfahren.”

Seltene Divergenz

Daalder meint, dass die Märkte genauso ‚im Dunkeln tappen’ und dass die daraus entstehende Unsicherheit zu einer Abkopplung der Aktien- von den Rentenmärkten führt. „Besonders deutlich wird dies, wenn man sich die Volatilitätsindizes für den Aktienmarkt (VIX-Index) und den Rentenmarkt (MOVE-Index) in den Tagen nach Bekanntwerden des Wahlergebnisses ansieht”, erklärt Daalder.

„Der VIX-Index ging nach den Meldungen von Trumps Überraschungssieg steil nach unten, der MOVE-Index dagegen nach oben, sodass sich eine recht seltene Divergenz ergab. Normalerweise reagiert der Aktienmarkt weitaus empfindlicher auf Meldungen aus Politik und Wirtschaft, während die Anleihemärkte durch die Flucht in sichere Vermögenswerte gestützt werden. In der jüngeren Vergangenheit hat es eine derartige Divergenz tatsächlich nur einmal gegeben, nämlich 2013, als die Fed ihre Anleihekäufe immer weiter drosselte. Selbst während der Verkaufswelle am Rentenmarkt in 1994 war keine so ausgeprägte und anhaltende Divergenz zu beobachten.”

„Natürlich spiegelt sich in der Entwicklung der beiden Volatilitätsindizes nur wider, was in den zugrunde liegenden Märkten passiert. Insgesamt haben sich die Kurse von US-Aktien kaum verändert (wenn man von der Verkaufswelle in Asien am Tag der Bekanntgabe des Wahlergebnisses absieht) und kletterten nach der Wahl sogar auf neue Allzeithochs. Die Anleiherenditen in den USA stiegen dagegen kräftig, da ‚Reflation’ zum neuen Schlagwort an den Finanzmärkten wurde.”

Laut Daalder bedeutet dies, dass es kaum positive Elemente für Anleihen gibt, während sich Aktien in die eine oder andere Richtung bewegen können, wie in der folgenden Grafik dargestellt:

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Source: Robeco

Derzeitige Positionierung

Daalder weist darauf hin, dass es wegen der Unsicherheit Veränderungen im Multi-Asset-Fonds von Robeco Investment Solutions gegeben hat: „Ein Blick auf unsere derzeitige Positionierung macht deutlich, dass ‚WWENWTTW’ das beherrschende Thema in unserem Portfolio ist. Im Aktienbereich sind wir neutral aufgestellt, wenn auch mit einer anderen regionalen Aufteilung. Auch in Anleihen sind wir insgesamt neutral positioniert, wobei unsere Untergewichtung in Staatsanleihen durch eine Übergewichtung in Unternehmensanleihen ausgeglichen wird.”

„Und wir besitzen nur eine kleine Position im Währungspaar US-Dollar/japanischer Yen. Das ist vielleicht überraschend, wenn man bedenkt, dass wir eine weitere Abschwächung des Euros erwarten, hängt aber damit zusammen, dass wir unsere Leerposition vorübergehend eingedeckt haben. Der Markt veranschlagt die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung durch die Fed Mitte Dezember inzwischen auf 95 %, sodass diesbezüglich wenig Platz für Überraschungen ist.”